Sodbrennen: Was lindert, was vorbeugt und was wichtig ist

    Bild eines männlichen Oberkörpers; auf dem T-Shirt ist der Magen illustriert, symbolisch für Sodbrennen

    Ein säuerlicher Geschmack im Mund, ein brennendes Gefühl in Oberbauch und Hals: Beinah jede und jeder hatte schon mal Sodbrennen. Unangenehm ist das, schlimm aber oft nicht. Welche Maßnahmen helfen, weshalb viele Menschen unnötigerweise säurehemmende Medikamente nehmen und wann ärztliche Beratung wichtig wird, lesen Sie hier.

    Wie Sodbrennen entsteht

    Sodbrennen

    Zu Sodbrennen kann es kommen, wenn Magensäure in die Speiseröhre fließt. Das nennt sich Reflux. Viele Menschen leiden immer mal wieder daran. Tritt Reflux häufiger auf – ob mit Symptomen wie Sodbrennen oder anderen Symptomen wie Halskratzen, häufigem Räuspern oder Brustschmerzen – kann das auf eine Refluxerkrankung hinweisen, der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Sodbrennen ist bei GERD ein ausgeprägtes Symptom. GERD ist eine der häufigsten Oberbaucherkrankungen. Rauchende und Menschen mit erhöhtem Body-Mass-Index haben ein erhöhtes Risiko, an GERD zu erkranken, aber auch beispielsweise eine Veranlagung kann GERD begünstigen.  Doch der Reihe nach. 

    Läuft alles richtig, verhindert ein Muskel, dass saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen kann. Nach einem allzu üppigen, fettigen Essen aber oder wenn reichlich Alkohol konsumiert wurde, kann es passieren, dass dieser Speiseröhrenschließmuskel schwächelt. Und das in jedem Alter. Wissenschaftlerinnen und Mediziner haben mehrere sogenannte Trigger ausgemacht, die Reflux provozieren können. 

    Auslöser für Reflux können sein:

    • ein erhöhter Druck im Bauchraum,
    • Medikamente beispielsweise gegen Bluthochdruck, Osteoporose oder auch Psychopharmaka,
    • Stress,
    • eine Schwangerschaft,
    • die Wechseljahre oder
    • auch ein Zwerchfellbruch.

    Einen kleinen Zwerchfellbruch hat jeder dritte bis vierte Mensch in Deutschland. Oft, ohne es zu wissen. Dies ist nicht krankhaft und für die gastro-ösophageale Refluxkrankheit (GERD) in der Regel nicht relevant.

    Eine GERD entwickelt sich, wenn der Reflux von Mageninhalt störende Symptome und/oder Komplikationen verursacht. 

    Ab und an Sodbrennen? Das können Sie tun

    „Wer situationsbedingt mal Sodbrennen hat, also etwa nach einem üppigen Essen oder bei scharfen Speisen oder beim Joggen, braucht nicht unbedingt zum Arzt oder Ärztin zu gehen“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Frieling, Consultant und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Helios St. Anna Klinikum in Duisburg.  Auch Menschen, die einmal im Monat Beschwerden haben und auch wissen, unter welchen Bedingungen diese auftreten, müssen nicht unbedingt eine Arztpraxis aufsuchen. Dann kann man Symptome lindernde Maßnahmen ergreifen.

    "Phasenweise kann man auch mal einen Protonenpumpenhemmer einnehmen, das sind hochwirksame Medikamente, die die Magensäureproduktion hemmen. Wenn etwa jemand weiß: "Wenn ich abends meinen Riesling bei einer Einladung trinke, bekomme ich morgens Sodbrennen" – der kann vorbeugend einen Säurehemmer nehmen. Dagegen ist wirklich nichts einzuwenden."

    Prof. Dr. med. Thomas Frieling, Consultant und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Helios St. Anna Klinikum in Duisburg

    Protonenpumpenhemmer seien bei sachgemäßer Einnahme sichere Medikamente. Ein Problem entstünde erst, wenn Patienten und Patientinnen diese Medikamente dauerhaft nehmen, ohne dass eine klare Indikation gestellt worden sei. Der Grund: „Säure muss als Erklärung für viele Oberbauchbeschwerden herhalten, ohne dass dies wirklich differenziert geprüft wird. Bei einem Reizmagen, funktioneller Dyspepsie, also etwa Unwohlsein, Druck oder Übelkeit im Oberbauch, wird oft ein Säurehemmer verschrieben, obwohl die Säure in diesen Fällen gar nicht die Hauptrolle spielt“, führt Frieling aus. 

    Wer regelmäßig Säurehemmer genommen hat und diese dann absetzt, merkt, dass der Magen vorübergehend überschießend viel Säure produziert – ein sogenannter Säure-Rebound. Der Patient bekommt dadurch säureinduzierten Beschwerden, die er gar nicht hatte, bevor er das Medikament zum ersten Mal nahm. Er schließt daraus, er brauche den Säurehemmer, und nimmt ihn weiter. Ein Teufelskreis entsteht. 

    Sodbrennen: Wann muss ich zu Arzt oder Ärztin?

    „Hatte jemand bisher nur selten Sodbrennen, plötzlich aber zunehmende Beschwerden, dann sollte das ärztlich abgeklärt werden. Ausdrücklich zu empfehlen ist es auch, bei langjährigen Refluxbeschwerden mindestens einmal eine Magenspiegelung durchzuführen.“

    Prof. Dr. med. Thomas Frieling, Consultant und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Helios St. Anna Klinikum in Duisburg

    Der Grund hierfür ist, dass andere Erkrankungen ausgeschlossen werden und speziell nach einem Barrett-Ösophagus geschaut wird. Bei chronischer Reizung oder Entzündung kann sich die Speiseröhrenschleimhaut in selten Fällen in Magenschleimhaut, der sogenannten Barrett-Schleimhaut umwandeln. Die Barrett-Schleimhaut ist der Boden für die Entwicklung eines Speiseröhrenkrebses. Für die unkomplizierte Magenspiegelung wird im Schlafzustand mit einem flexiblen Endoskop Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm betrachtet. Damit lassen sich nicht nur Reflux-Entzündungen aufdecken, sondern eben auch andere Erkrankungen.

    „Das ist wichtig, weil Sodbrennen unspezifisch ist: Sodbrennen kann Ausdruck eines Refluxes sein, aber auch einer Speiseröhrenentzündung durch eine Infektion, einer eosinophilen Ösophagitis – also einer nahrungsmittelinduzierten, allergischen Entzündung – oder, in seltenen Fällen, sogar eines Speiseröhrenkrebses“, erklärt Frieling. 

    Wichtig: Refluxbeschwerden sind für sich kein Beweis für Reflux, sie sind nur ein Hinweis. So hat etwa nur ein Drittel der Patienten und Patientinnen mit Refluxbeschwerden tatsächlich eine Schleimhautentzündung. Es gibt dabei unter schiedliche Schweregrade, von leichten Entzündungen bis hin zu Geschwüren oder narbigen Verengungen der Speiseröhre, die Schluckbeschwerden verursachen können.

    Wenn jemand merkt, dass feste Nahrung langsam durch die Speiseröhre gleitet oder sich irgendwo staut, ist das ein Hinweis auf eine solche Schluckstörung, in der Fachsprache Dysphagie genannt. „Das sollte unbedingt abgeklärt werden“, sagt der Experte.

    Diese Nahrungsmittel können Reflux auslösen:

    Grafik Sodbrennen

     

    Außerdem gibt es moderate Hinweise, dass auch diese Nahrungsmittel Reflux triggern:

    Zwiebeln | Scharfe Speisen | Fettreiche Milchprodukte | Süßspeisen

    Diese Nahrungsmittel können Reflux auslösen:

    Reflux
    • Alkohol
    • Zitrusfrüchte und -säfte
    • Fettiges und Frittiertes
    • Kaffee und koffeinhaltige Getränke
    • Schokolade
    • Tomatenbasierte Produkte
    • kohlensäurehaltige Getränke
    • Pfefferminz & Menthol

    Außerdem gibt es moderate Hinweise, dass auch diese Nahrungsmittel Reflux triggern:

    Zwiebeln | Scharfe Speisen | Fettreiche Milchprodukte | Süßspeisen

    Sodbrennen, Halskratzen, Brustschmerzen: Wann eine OP notwendig werden kann

    Sodbrennen Test

    Reichen Medikamente nicht, um Sodbrennen zu lindern, fließen größere Mengen von Mageninhalt zurück oder sind die Nebenwirkungen der Medikamente ungünstig, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Hierbei wird der geschwächte Schließmuskel zum Magen verstärkt. Ist GERD beispielsweise Folge eines Zwerchfellbruchs kann dieser chirurgisch behandelt werden. 

    Wichtig: Nur weil jemand Sodbrennen hat und Schmerzen in der Brust, muss er keinen GERD haben. Bevor daher Patient oder Patientin dem Chirurgen vorgestellt wird, muss GERD objektiv nachgewiesen werden. Dafür wird eine Refluxdiagnostik angewendet. 

    „Konkret wird eine 24-Stunden-pH-Metrie-Impedanzmessung durchgeführt“, führt Frieling aus. Dabei wird dem Patienten eine dünne Sonde durch die Nase in die Speiseröhre gelegt. Mit einem tragbaren Speichergerät, ähnlich einem Langzeit-EKG, geht der Patient oder die Patientin dann nach Hause. Die Sonde misst dann über den Zeitraum, wie oft und wie stark Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. „Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, ist der Reflux bewiesen. Zusätzlich wird häufig eine Speiseröhrendruckmessung, eine Manometrie, empfohlen“, erklärt Frieling. Das Gute: An der kombinierten pH-Metrie-Impedanzmessung kann man nicht nur sauren Reflux messen, sondern auch nicht sauren – also Volumenbewegungen in der Speiseröhre. Doch wann ist diese Messung sinnvoll? „Eine Messung ist dann sinnvoll, wenn Patientin oder Patient dauerhaft Säurehemmer braucht und nicht davon loskommt“, klärt Frieling auf. Dann sollte geprüft werden, ob wirklich ein Reflux dahintersteckt. 

    Lästig aber behandelbar: Reflux in der Schwangerschaft 

    Test Reflux

    Auch viele Schwangere kämpfen mit Reflux und entsprechendem Sodbrennen: „Zum einen bewirkt die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft, dass der untere Schließmuskel – die Barriere zwischen Speiseröhre und Magen – nachgibt und seine Verschlussfunktion verliert. Der Druck, den diese Hochdruckzone aufbaut, wird vermindert. Zum anderen wächst durch das Kind der Bauchumfang, was den Druck nach oben – also in Richtung Magen und Speiseröhre – erheblich erhöht. Das begünstigt den Reflux“, erklärt Frieling. 

    Schwangere klagen deshalb sehr häufig über Sodbrennen, gelegentliches saures Aufstoßen oder Brennen hinter dem Brustbein. Und das ist etwas, das sie nicht einfach hinnehmen müssen – da gibt es Maßnahmen. Das sind Maßnahmen, die man auch anderen Refluxpatientinnen und Patienten empfiehlt, etwa mehrere kleine Mahlzeiten statt großer Portionen. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, sind lokale Präparate möglich: Maaloxan, Alginate oder Milch.

     „Die erste Anlaufstelle ist also der Gynäkologe oder die Gynäkologin – die sind über all das sehr genau informiert und erklären, was in welcher Phase der Schwangerschaft möglich und sinnvoll ist“, stellt der Experte klar. Erst wenn das Sodbrennen nicht moderat ist, starke Schmerzen, Schluckstörungen oder blutiges Erbrechen vorliegen, muss man genauer hinschauen und gegebenenfalls eine Magenspiegelung durchführen. Das Gute: Ist das Baby auf die Welt gebracht, ist man das Thema Reflux im Regelfall los.

    Reflux in den Wechseljahren

    Test Reflux 2

    Hormonelle Veränderungen sind auch Thema in den Wechseljahren. Entsprechend kann es auch zu Reflux kommen. Weil aber ebenso Medikamente auf den Schließmuskel einwirken können, kann auch eine Hormonersatztherapie Reflux begünstigen. Hier muss dann abgewägt werden, ob ein Medikamentenwechsel vorgenommen werden muss. Das bespricht man mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen. Eine pauschale Antwort gäbe es hierfür nicht, so der Gastroenterologe. 

    Frieling fasst zusammen:

    „Reflux ist in der Regel eine gutartige Erkrankung, die nicht automatisch schlimmer wird. Sie entwickelt sich nicht regelhaft zu einem Barrett-Ösophagus, und sie führt auch nicht automatisch zu Krebs. Dieses Risiko trifft nur auf eine sehr kleine Minderheit zu. Trotzdem sollte man sich mit langjährigen Refluxbeschwerden einmal Magenspiegeln lassen. Die meisten Menschen mit Reflux haben Beschwerden, die sich mit Allgemeinmaßnahmen und bei Bedarf mit Medikamenten sehr gut kontrollieren lassen.“

    Was Menschen mit GERD tun können, um ihre Beschwerden zu lindern:

  • Gewicht abnehmen

  • Das Kopfende des Bettes erhöhen (bei nächtlichen Refluxbeschweren)

  • Bauchatmung praktizieren

  • Späte Mahlzeiten vermeiden

  • Rauchen beenden

  • Bestimmte Nahrungsmittel meiden

  • Enge Kleidung vermeiden

  • Medikamente prüfen

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