CKD Stadium 4: Was bedeutet das genau?
Was bedeutet das genau?
Die Diagnose einer chronischen Nierenkrankheit und die Einteilung in verschiedene Stadien kann viele Menschen zunächst verwirren oder verunsichern. Was bedeutet das für Sie und Ihren Alltag? In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Stadien der chronischen Nierenkrankheit eingeordnet werden, welche Werte wichtig sind und was Sie aktiv tun können, um Ihre Nieren möglichst lange zu schützen.
Die chronische Nierenkrankheit (=CKD) beschreibt eine langfristige Einschränkung der Nierenfunktion. Dabei können die Nieren Abfallstoffe nicht mehr so gut wie früher aus dem Blut filtern. Anders als eine kurzfristige Einschränkung der Nierenfunktion (=akutes Nierenversagen) entwickelt sich eine CKD über Monate oder Jahre - und bleibt oft lange unbemerkt. Generell sollte bei einer CKD die Einschränkung der Nierenfunktion mindestens 3 Monate vorliegen.
Wie wird die chronische Nierenkrankheit festgestellt?
Meist wird die CKD bei einer Routineuntersuchung entdeckt – durch eine Blut- und Urinprobe. Das liegt daran, dass frühe Stadien kaum Beschwerden verursachen. Zwei Werte sind besonders wichtig: die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (=eGFR) aus dem Blut und das Verhältnis der beiden Stoffe Albumin und Kreatinin im Urin (=UACR). Beide zusammen geben einen Hinweis darauf, wie stark Ihre Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist.
Was ist die eGFR?
Die eGFR zeigt, wie gut Ihre Nieren das Blut filtern. Sie wird aus Ihrem Kreatininwert im Blut berechnet und in mL/min/1,73 m² angegeben. Einfach gesagt gibt sie an, wie viele Milliliter Blut Ihre Nieren pro Minute filtern können. Im gesunden Zustand schaffen die Nieren 90 Milliliter pro Minute und mehr. Ab einer eGFR von unter 60 mL/min/1,73 m² gilt die Nierenfunktion als deutlich eingeschränkt.
Die eGFR wird außerdem genutzt, um die CKD in fünf verschiedene Stadien (=G1 - 5) einzuteilen. Wichtig: Ihre eGFR und Ihr Stadium allein sagen noch nichts über Beschwerden oder den Verlauf aus – sie sind ein Orientierungspunkt für Sie und Ihr Ärzteteam.
Was ist die UACR?
Die UACR beschreibt das Verhältnis von Eiweiß (=Protein) - gemessen über das Protein Albumin - zu Kreatinin im Urin. Im gesunden Zustand gelangt kaum Albumin aus Ihrem Blut in den Urin. Das liegt daran, dass Albumin eines der größten Eiweiße in Ihrem Blut ist. Steigt die Konzentration von Albumin im Urin an, spricht das für eine Schädigung der Nierenfilter.
Ein normaler UACR-Wert liegt unter 30 mg/g Kreatinin. Liegt der Wert darüber, spricht man von einer sogenannten Albuminurie – einem wichtigen Hinweis auf eine Schädigung der feinen Nierenfilter. Je nach Höhe des Werts kann man zwischen einer Mikroalbuminurie (=etwas Albumin im Urin) oder einer Makroalbuminurie (=viel Albumin im Urin) unterscheiden.
Je höher dieser Wert ausfällt, desto größer ist das Risiko, dass Ihre Nierenfunktion schneller und weiter abfällt. Während die eGFR genutzt wird, um die Nierenfunktion zu messen, wird die UACR oft bestimmt, um das Ausmaß der Nierenschädigung und das Risiko für ein schnelles Fortschreiten der Nierenkrankheit zu untersuchen.
Was steckt hinter den CKD-Stadien?
Um eine chronische Nierenkrankheit besser einordnen zu können, wird sie in fünf Stadien unterteilt – G1 bis G5. Die Einteilung basiert auf Ihrem eGFR-Wert:
| CKD Stadium | Nierenfunktion im Stadium | Beschreibung |
| G1 | ≥ 90 mL/min/1,73 m² | Normale Nierenfunktion, aber andere Hinweise auf Schädigung (z. B. Eiweiß im Urin) |
| G2 | 60 - 89 mL/min/1,73 m² | Leicht eingeschränkte Nierenfunktion |
| G3a | 45 - 59 mL/min/1,73 m² | Leicht bis mäßig eingeschränkt |
| G3b | 30 - 44 mL/min/1,73 m² | Mäßig bis fortgeschritten eingeschränkt |
| G4 | 15 - 29 mL/min/1,73 m² | Stark eingeschränkt |
| G5 | < 15 mL/min/1,73 m² | Schwere Einschränkung, oft mit Symptomen, mögliche Dialysevorbereitung |
Zusätzlich zur G-Stufe wird auch die Albuminurie-Stufe (A1–A3) angegeben – also wie viel Eiweiß Sie im Urin verlieren. Diese Kombination aus G- und A-Stufe zeigt an, wie stark Ihre Nieren geschädigt sind und wie hoch Ihr Risiko für ein Fortschreiten der CKD oder andere Komplikationen ist.
| Albuminurie Stufe | UACR im Stadium | Beschreibung |
| A1 | < 30 mg/g Kreatinin | Normaler Wert |
| A2 | 30 - 300 mg/g Kreatinin | Mikroalbuminurie |
| A3 | > 300 mg/g Kreatinin | Makroalbuminurie |
Was genau steckt hinter dem CKD Stadium 4?
Das CKD-Stadium 4 bedeutet, dass Ihre Nierenfunktion stark eingeschränkt ist. Ihre eGFR liegt zwischen 15 und 29 mL/min/1,73 m². Dieses Stadium gehört zur fortgeschrittenen Phase der CKD. Das heißt, Ihre Nieren arbeiten deutlich langsamer, leisten aber weiterhin wichtige Arbeit.
Viele Menschen im Stadium 4 haben bereits Begleiterkrankungen oder erste Beschwerden. Umso wichtiger ist es, jetzt gezielt gegenzusteuern: durch engmaschige Kontrollen bei Ihrem Ärzteteam, passende Medikamente und einen angepassten Lebensstil.
In dieser Phase kann auch das Gespräch über mögliche Dialyseoptionen oder eine Nierentransplantation sinnvoll sein – um gut vorbereitet zu sein, falls diese Behandlungen später notwendig werden.
Was gilt im Stadium 4 für meine Ernährung?
Im Stadium 4 spielt Ihre Ernährung eine besonders zentrale Rolle, um Ihre Nieren so gut wie möglich zu entlasten. Ziel ist es, ein weiteres Fortschreiten der Nierenkrankheit zu bremsen und mögliche Beschwerden wie Veränderungen Ihrer Kaliumwerte oder Wassereinlagerungen zu vermeiden.
Was genau für Ihre Ernährung gilt, sollte unbedingt individuell mit Ihrem ärztlichen Team oder einer spezialisierten Ernährungsberatung abgestimmt werden. Im Folgenden haben wir dennoch eine Reihe von Empfehlungen für Sie zusammengefasst:
1. Nicht zu viel Eiweiß
Die Eiweißzufuhr wird in Stadium 4 oft auf 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag begrenzt. Bei 80 kg Körpergewicht entspricht das etwa 64 Gramm Eiweiß pro Tag. Damit die Ernährung trotzdem ausgewogen bleibt und um eine Mangelernährung zu vermeiden, kann eine gezielte Ernährungsberatung sinnvoll sein.
Sinkt Ihre eGFR unter 20 mL/min/1,73 m², kann es sinnvoll sein, die Eiweißzufuhr wieder auf 0,8 bis 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag anzuheben. Ihre genauen Zielwerte besprechen Sie am besten wie immer mit Ihrem Ärzteteam.
2. Einschränkung von Salz
Auch Kochsalz sollten Sie weiter reduzieren – am besten auf unter 5 Gramm pro Tag. So unterstützen Sie Ihren Körper dabei, den Blutdruck im Gleichgewicht zu halten.
3. Kalium und Phosphat
Je nach Blutwerten kann zusätzlich eine Reduktion von kalium- oder phosphatreichen Lebensmitteln nötig sein. Das betrifft beispielsweise Trockenfrüchte, Bananen, Tomaten, Nüsse oder Fertigprodukte. Ob und wann eine Einschränkung der Kalium- und Phosphatzufuhr notwendig ist, hängt jedoch stark von Ihren Laborwerten ab und ist nicht in jedem Fall erforderlich. Es gelten die Empfehlungen Ihres Ärzteteams.
4. Pflanzlich-betonte Kost und Beratung
Eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Ernährung bleibt auch in Stadium 4 sinnvoll – aber mit besonderer Rücksicht auf die Eiweißzufuhr. Eine Ernährungsberatung kann helfen, bei all diesen Empfehlungen den Überblick zu behalten.
Was sind mögliche Symptome im Stadium 4?
In Stadium 4 treten Symptome häufiger auf. Viele Menschen berichten über anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Appetitlosigkeit oder Muskelkrämpfe. Auch Juckreiz, Übelkeit, ein unangenehmer Geschmack im Mund oder Wassereinlagerungen in den Beinen können auftreten. Diese Anzeichen sind oft Ausdruck der nachlassenden Filterfunktion der Nieren – sie sollten aber nicht einfach hingenommen werden. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen helfen, die Beschwerden zu lindern.
Was kann ich selbst tun?
Auch in Stadium 4 können Sie weiterhin aktiv etwas tun und damit den Verlauf Ihrer Erkrankung positiv beeinflussen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um kleine, konsequente Schritte in Ihrem Alltag.
1. Ernährungsvorgaben einhalten
Gerade in Stadium 4 ist es besonders wichtig, die empfohlenen Ernährungshinweise umzusetzen. Sie helfen dabei, den Stoffwechsel zu entlasten, den Blutdruck besser zu regulieren und das Fortschreiten der Nierenkrankheit zu verlangsamen.
Was für Sie passt, sollte individuell abgestimmt sein – am besten mit Ihrem ärztlichen Team oder einer spezialisierten Ernährungsberatung.
2. Medikamente einnehmen
Ihre Medikamente sind ein wichtiger Teil Ihrer Behandlung – zum Beispiel zur Senkung des Blutdrucks, zum Schutz vor einer starken Eiweißausscheidung oder zur Behandlung möglicher Symptome. Nehmen Sie sie regelmäßig und wie verordnet ein. Auch mögliche Nebenwirkungen sollten Sie offen mit Ihrem Ärzteteam besprechen.
3. Aktiv bleiben
Bewegung bleibt auch in diesem Stadium wertvoll. Sie kann helfen, Ihre Muskulatur zu erhalten, Ihr Wohlbefinden zu steigern und Entzündungsprozesse im Körper zu bremsen. Schon regelmäßiges Spazierengehen oder leichte Gymnastik machen einen Unterschied.
4. Gewicht anpassen
Wenn Sie mit Übergewicht zu kämpfen haben, kann eine langsame, nachhaltige Gewichtsreduktion Ihre Nieren und Ihr Herz-Kreislauf-System deutlich entlasten. Wichtig dabei: keine radikalen Diäten, sondern eine begleitete Umstellung mit realistischen Zielen.
5. Lebensstil umstellen
Verzichten Sie möglichst auf Zigaretten, achten Sie auf ausreichend Schlaf und versuchen Sie, Stress gezielt zu reduzieren. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie anfangen können: Ihr Ärzteteam steht Ihnen beratend zur Seite.
Wo finde ich Unterstützung mit CKD?
Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Neben Ihrem ärztlichen Team gibt es viele Stellen, die Ihnen helfen können. Dazu gehören beispielsweise Ernährungsberater:innen, idealerweise mit Erfahrung zu CKD, oder Selbsthilfegruppen.
In vielen Online-Foren oder in sozialen Medien gibt es außerdem Gruppen, deren Fokus auf der chronischen Nierenkrankheit liegt. Dort finden Sie andere Menschen, mit denen Sie sich zu Ihrer Nierenkrankheit und möglichen Herausforderungen im Alltag austauschen können.
Zusammenfassung
CKD-Stadium 4 bedeutet: Ihre Nierenfunktion ist bereits fortgeschritten eingeschränkt
Die eGFR und die UACR helfen, das Ausmaß der Erkrankung einzuschätzen
Beschwerden und Symptome treten nun häufiger auf – ein Gespräch über die Dialyse sollte erfolgen