Pressemitteilung

    Ärztin schaut in ein Mikroskop

    Betriebskrankenkassen starten Pilotprojekt: Chronische Nierenkrankheit schneller erkennen

    Eine chronische Nierenkrankheit (CKD) entwickelt sich lange unbemerkt. Datenbasierte Früherkennung und Begleitung können die Entwicklung positiv beeinflussen.

    Duisburg, Frankfurt a. M., München 20.10.2026: Die Betriebskrankenkassen starten gemeinsam mit dem BKK Dachverband, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, der Charité Berlin und dem Nephrologen Prof. Thorsten Feldkamp ein Pilotprojekt für die datenbasierte Früherkennung chronischer Nierenkrankheiten.

    Das ist wichtig, denn eine chronische Nierenkrankheit (CKD) bleibt lange unbemerkt. So verstreicht wertvolle Zeit, in der der Verlauf der Erkrankung noch positiv beeinflusst und der Weg zur Dialysebehandlung verhindert werden kann.

    Um dieses Ziel zu erreichen, habe die Betriebskrankenkassen gemeinsam das Projekt „Mein Nierenkompass“ entwickelt. Es wurde Anfang September unter den Versicherten der drei Pilotkassen BAHN-BKK, novitas BKK und der SBK Siemens-Betriebskrankenkasse gestartet.

    Gezielt ansprechen, intensiv begleiten - so funktioniert ‚Mein Nierenkompass‘

    Ein eigens mit der GWQ ServicePlus AG entwickeltes Prognosemodell identifiziert Versicherte, die ein hohes Risiko für eine chronische Nierenkrankheit aufweisen. Das Besondere daran: Die auf Machine-Learning (ML) gestützte Auswahl macht die Ansprache besonders treffsicher. Während ohne Modell rund 65 Versicherte angeschrieben werden müssten, um einen positiven Test zu erzielen, liegt die Trefferquote beim ML-gestützten Verfahren bei etwa jedem fünften.

    Versicherte, die das Modell als besonders risikobehaftet einstuft, erhalten einen Brief mit der Einladung, ihre Nierengesundheit mit einem leitliniengerechten UACR-Heimtest zu überprüfen. Das hochwertige Testkit bestellen sie bequem über einen im Brief integrierten QR-Code.

    Schaubild zum Ablauf "Mein Nierenkompass"

    Alle Versicherten mit auffälligem Befund erhalten dann die weitere Diagnostik in der Hausarztpraxis. Bestätigt sich der Verdacht auf CKD, werden diese Versicherten bis zu ein Jahr lang besonders intensiv von ihrer Krankenkasse begleitet. Dabei profitieren sie von einer individuell zugeschnittenen Beratung, zum Beispiel zu gesunder Ernährung und Bewegung sowie von hilfreichen Hinweisen zu passenden Versorgungsangeboten. So stärkt das Programm die Gesundheitskompetenz der Versicherten. Und es fördert deren aktive Beteiligung an der Therapie, indem sie bei der Umsetzung des ärztlichen Behandlungsplans gezielt unterstützt werden. Versicherte mit einem zum Testzeitpunkt unauffälligen Befund erhalten Informationen zu weiteren präventiven Maßnahmen und nach einem Jahr ein Angebot zur weiteren Testung.

    Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, der Charité Berlin sowie von Prof. Thorsten Feldkamp. Zu dieser Begleitung gehört auch, die Wirksamkeit der einzelnen Schritte fortlaufend zu evaluieren und daraus Verbesserungen abzuleiten.

    Dr. Gertrud Demmler, Vorständin der SBK Siemens-Betriebskrankenkasse: „Mein Nierenkompass zeigt, welche Chancen intelligente Datennutzung bietet – sie ermöglicht wirklich personalisierte Prävention und Früherkennung. Indem wir Risiken frühzeitig erkennen, können wir Versicherte rechtzeitig in die passende Versorgung bringen. Im besten Falle gelingt es uns, so früh einzugreifen, dass eine chronische Nierenkrankheit erst gar nicht entsteht. Die dafür notwendigen Daten liefern unsere Routinedaten, die bei uns als Krankenkasse zusammenlaufen.“

    „Mit dem Nierenkompass haben wir ein innovatives Versorgungsangebot entwickelt, um einer chronischen Nierenkrankheit präventiv zu begegnen. Für die Versicherten und Leistungserbringer bietet sich ein echter Mehrwert, denn dadurch wird für sie die Versorgung einfacher und zielgerichteter. Wir zeigen damit, welche große Innovationskraft vom BKK-System ausgeht“, so Christine Enenkel, Vorstandsvorsitzende der BAHN-BKK.

    „Wir wollen Krankheiten nicht länger nur verwalten, sondern Versorgung aktiv gestalten. Dieses innovative Konzept setzt genau dort an – frühzeitig und individuell“, so Frank Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der novitas bkk.

    Dr. med. Eric Amelunxen, Arzt und Wissenschaftler in der Klinik für Innere Medizin IV mit den Schwerpunkten Nieren- und Hochdruckkrankheiten, UKSH: „Gute Nachrichten vorweg: Wir haben heute sehr wirksame Maßnahmen und Medikamente, um das Fortschreiten einer chronischen Nierenkrankheit zum Nierenversagen deutlich zu bremsen. Entscheidend ist dabei, Betroffene frühzeitig zu erkennen und strukturiert zu begleiten – hier können wir noch deutlich besser werden. Mein Nierenkompass setzt genau dort an und bietet einen neuartigen und intelligenten Ansatz."

    Ihre Ansprechpartnerin für Interview- oder Presseanfragen:

    Claudia Giese
    Pressesprecherin